Mo 28. Aug 2017, 07:50
Herzlich Willkommen im Forum, Saby!
Zu deiner Trennungsgeschichte: Das ging ja Schlag auf Schlag. Was mich verwundert ist, dass du, als er sagte, dass es mit euch nicht für immer sei, sofort fragst, ob er Schluss mache, als ob du es so erwartet hättest. Als er das bejahte brach natürlich eine Welt für dich zusammen. Das ist ein sehr schwerer Moment, doch wir sind für dich da

. Es ist vollkommen normal, dass man als Verlassener zuvor keine Ahnung hat, was da auf einen zukommt und dass man das Unheil nicht kommen sieht. Seine Worte müssen sich für dich wie ein kalter Schlag ins Gesicht angefühlt haben. Für den Verlassenen kommt die Trennung wie aus heiterem Himmel, während der Verlassende die Trennung in der Regel schon lange zuvor geplant/in Betracht gezogen hat. Das mag sich jetzt im ersten Moment hart anhören, doch das ist die Realität. Ihr hattet noch normal gefrühstückt und in der Nacht zuvor noch miteinander geschlafen. Für viele Männer und auch manche Frauen steht das in keinem Widerspruch dazu, sich trennen zu wollen, was aber für den Verlassenen natürlich schwer verständlich ist. Man fragt sich: Wie kann sich dieser Mensch, der mir kurz zuvor noch so nahe stand, im nächsten Moment von mir trennen? Diese Frage ist verständlich. Er hat es dir nicht einmal näher erklärt, warum er sich trennt, es wäre jedoch gut von dir gewesen, ihn in diesem Moment einfach zu fragen, warum er sich trennt, doch ich kann verstehen, dass du zu diesem Zeitpunkt von deinen Gefühlen übermannt warst und deshalb diese Frage nicht gestellt hast.
Die Ursache für eine Trennung lässt sich meist rational analysiert erklären: Ein ungleiches Machtverhältnis. Sobald ein Partner seine ganze Kraft an den anderen Partner abgibt, gibt er auch Macht an ihn ab. Dadurch wird er in den Augen des anderen Partners unattraktiver, denn er ist selbstverständlich, unterlegen und damit nicht mehr wertvoll für ihn. Seine Konsequenz: Die Trennung.
Was ein paar Wochen später bei dir passiert ist, hat dich nur noch tiefer in das Ganze reingezogen: Du hast ihm nachgegeben. Du ließt zu, dass er dich küsst und ihr im Bett landeten. Das war natürlich suboptimal, wie du es später selbst erkannt hast. Das soll kein Vorwurf sein, sondern eine Chance, aus dem eigenen Verhalten zu lernen

. Wir alle machen Fehler, doch sobald man aus einem Fehler etwas gelernt hat, ist es kein Fehler mehr

. Durch dein Zulassen des Kusses und des Treffens hast du deine Machtposition nur weiter zu seinen Gunsten verbessert und für dich verschlechtert. Macht und Beziehung mag sich jetzt als ein unmoralisches Duo anhören, doch ein entsprechendes Machtverhältnis ist, so unschön sich das auch anhören mag, Teil einer jeden Beziehung. Sobald es sich zu stark zugunsten eines Partners verschiebt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieser sich trennen wird.
Auf der einen Seite war es zwar eine nette Geste von ihm, dass er dir gesagt hat, dass es ihm leid tut, wie alles gelaufen ist und dass er dir erklärt hat, dass er neue Erfahrungen sammeln will. Kurz gesagt: Er sagt dir hier durch die Blume, dass du nicht mehr attraktiv für ihn bist, sondern nun andere Frauen, was die Folge dessen ist, dass du die Macht an ihn abgegeben hattest. Auf der anderen Seite war es eine perfide Geste, denn er wollte damit nur schauen, ob du nochmal auf ihn "anspringst" und er sozusagen damit seine Machtposition ausbauen kann. Womöglich war ihm das nicht bewusst, denn bei den meisten Menschen laufen diese Vorgänge unterbewusst ab.
Grund dafür, dass er die ganze Zeit trotzdem ganz normal zu dir war, ist, dass er mit der Trennung bereits längst abgeschlossen hatte, als du sie noch verarbeiten musstest. Er hatte demnach dir gegenüber einen Zeitvorsprung. Dass du die ganze Autofahrt über geweint hast, kann ich nur zu gut verstehen, wir hätten dich schon damals gern getröstet

. Diese Autofahrt muss sehr schwer für dich gewesen sein. Doch wir können dir helfen, zu erneuter inneren Stärke zurückzufinden!
Second Life mag für dich wie Seelenbalsam gewirkt haben, doch letztlich war es nur ein Ersatz, ein Ersatz für menschliche Zuneigung, die du zu dieser Zeit so dringend gebraucht hättest. Second Life birgt jedoch, im Vergleich zu Mitmenschen, mit denen man über die Trennung spricht, die Gefahr, in die virtuelle Welt zu versinken und den Bezug zum realen Leben zu verlieren.
Allgemein sollte man sich nach einer Trennung auch ablenken, das ist schon richtig, doch es kommt auch auf die Art der Ablenkung an. Second Life kann schädliche Folgen haben, muss es aber nicht. Das hängt davon ab, wie man damit umgeht. Hast du meinen Beitrag "Trennung verarbeiten" schon durchgelesen? Falls noch nicht, ließ ihn dir am besten durch, denn da stehen auch noch viele hilfreiche Informationen zum Trennungsverlauf drin.
Zu deinem zweiten Partner: Er war viel älter als du und ein Altersunterschied von zehn Jahren und mehr kann problematisch sein, vor allem, da bei einem so großen Altersunterschied sich dir Partner in der Regel auf einem vollkommen unterschiedlichen Niveau der Reife und Persönlichkeitsentwicklung befinden. Wenn er in Frankreich war und du in Deutschland, dann würde ich das eindeutig als Fernbeziehung definieren. Es verwundert mich, dass es sogar zwei Jahre lang gehalten hat, wobei bezüglich Fernbeziehungen bekannt ist, dass sich alles mehr in die Länge zieht, weil man sich nicht so oft sieht. Wäre es eine normale Beziehung gewesen, hätte sie wohl kürzer, vielleicht nur ein halbes Jahr gehalten. Aus diesem Grund ist von Fernbeziehungen eher abzuraten, denn dabei verliert man viel Zeit.
Du wolltest sogar zu ihm ziehen? Nach Frankreich? Das hört sich schon etwas gewagt an. Dass er jeden Tag mit Sex hatte, ist für einen Mann oft kein Widerspruch dazu, sich dennoch zu trennen, falls er seine Partnerin als nicht mehr wirklich anziehend empfindet. Hinzu kommt bei ihm noch, dass er sich womöglich auch aus rationalen Gründen getrennt hat, wahrscheinlich auch, weil er für euch keine Zukunft gesehen hat.
Später kam raus, dass er parallel zu dir eine Freundin hatte, also war er sowieso nicht aus rationalen, sondern aus emotionalen Gründen mit dir zusammen. Ja, er hatte dich betrogen. Wahrscheinlich sah er in dir einfach nur ein Abenteuer, ein Abenteuer, das er nutzen kann, wenn ihm danach ist. Das mag sich jetzt ausnutzend anhören, doch leider ist es das auch: Ausnutzend. Wie konntest du das nur die ganzen zwei Jahre nicht bemerken, dass er parallel zu dir eine Freundin hatte? Immerhin war er so ehrlich, es dir irgendwann zu gestehen, aber erst als es mit dir zu Ende war. Auch das muss ein Schock für dich gewesen sein.
Richtig, spring nicht auf ihn an, das machst du gut so! Richtig, du solltest nach einem Mann schauen, der weiß, was er will. Du hast Recht damit, dass sich fast jeder nach einer erfüllten Beziehung und Zuneigung sehnt

. Du hast einiges durchgemacht und ich hoffe, dass ich dich mit meiner Antwort etwas aufbauen konnte

. Jetzt genieße dein Leben und nimm dir einen Mann, der wirklich für dich da ist, auf den du dich verlassen kannst und der dich so annimmt, wie du bist

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Alles Gute
SuperExtreme